Wie bereits geschrieben stammt der Originaltext, dem die von uns geschriebene Theaterfassung von "Tristan & Isolde" zu Grunde liegt, von Gottfried von Straßburg. Doch wer verbarg sich hinter diesem Namen?

Über die historische Gestalt Gottfrieds ist außerhalb seines Romanes Tristan nichts überliefert, doch auch die daraus gewonnenen Informationen sind spärlich und erlauben lediglich eine Aussage über Gottfrieds sozialen Status oder seine Bildung. Genaue Lebensdaten sind jedoch nicht zu ermitteln, sondern können nur gemutmaßt werden: im Literaturexkurs des Tristan werden von Veldeke und Reimar (falls er hier tatsächlich gemeint ist) als verstorben, Hartmann von Aue und Walther von der Vogelweide aber als lebend und bereits hochberühmt genannt. Zusammen mit der  sog. Wolframfehde weist dies auf das erste Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts.

Er starb  wohl zwischen 1210 und 1220, vermutlich noch bevor er seinen Tristan vollenden konnte (Die Niederschrift des Tristan erfolgte in etwa zwischen 1200 und 1220). Die Fortsetzer seines Werkes, Ulrich von Türheim (1243) und Heinrich von Freiberg (um 1290) beklagen, daß Gottfried durch den Tod an der Vollendung seines Werkes gehindert worden sei, doch auch diese Aussagen werden von der Forschung bisweilen angezweifelt.

Welchen Standes Gottfried war, läßt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen; ohne den geringsten Zweifel ist jedoch, daß er über eine herausragende Bildung verfügte, die auf eine Ausbildung in einer Klosterschule oder Universität schließen läßt. Quellen des 13. und 14. Jahrhunders nennen ihn Meister Gotfrid von Strâzburg. Die Bezeichnung Meister kennzeichnet ihn als "studiert", von Strâzburg nennt den Herkunftsort und ist nicht als Adlestitel zu verstehen.

Das "Autorenbildnis", Gottfrieds, das man im Codex Manesse findet, darf nicht als Portrait im heutigen Sinne verstanden werden, vielmehr stellt es dar, was man sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter einem Meister (Magister) vorstellte: in seiner Hand hält er ein Diptychon (hier: eine zusammenklappbare Falttafel, die im Mittelalter für schriftliche Entwürfe benutzt) und sitzt in einer Gruppe offensichtlich höfischer Zuhörer.


Gottfried greift hier - wenngleich nicht namentlich - Wolfram von Eschenbach scharf an, wobei er wörtlich auf den „Parzival“ Bezug nimmt, der ziemlich genau zu datieren ist. Der Parzival dürfte Gottfried kaum vor 1205 bekannt gewesen sein. Nach 1212 mußWolfram seinen „Willehalm“ begonnen haben, in dessen Prolog er mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls anonym auf Gottfrieds Angriff antwortet, so daß sich auf dem Boden dieser Argumente für Gottfrieds „Tristan“ ein zeitlicher Ansatz zwischen etwa 1205 und ca. 1213 ergäbe.