Arcus lunaris, der Mondregenbogen, entsteht aus dem Licht des Vollmondes. Vielen Epochen galt die Vollmondnacht als magische Zeit, in der die Grenzen der Zeit aufgehoben werden und Erfahrungsräume ungeahnte Tiefen erhalten. Doch nicht alles ist im Licht des Mondes so, wie es zunächst erscheint – auch der Mondregenbogen offenbart dem menschlichen Auge seine Farbe zunächst nicht, reinweiß und nur schwach sichtbar spannt er sich über die nächtliche Landschaft. Nur dem erfahrenen Beobachter, der im Besitz der geeigneten Hilfsmittel ist, erschließt sich seine Schönheit.

Ebenso verhält es sich mit den Schätzen, die das Mittelalter uns geschenkt hat: Sein Erbe verliert sich für den vollkommen Unkundigen in der Nacht der Vergangenheit und seine Sprache und Literatur ist nicht mehr als eine Kuriosität. Dem Verblendeten jedoch mag das Mittelalter als eine goldene Zeit erscheinen, die en niemals war. Für beide bleibt der Regenbogen des Mittelalters weiß und seine Farbe verborgen.

Die Farben des Mittelalters werden jedoch stärker, je mehr man sich auf seine Sprache und Literatur, auf seine Ideale und Ängste, auf seine Stärken und Schwächen einlässt. Am Ende möge das Erkennen des Menschen stehen – damals und heute.