Jahrhunderte trennen uns von den großen Werken des Mittelalters und ihrer Sprache. Warum sich also mit diesen Werken, mit dieser Literatur befassen, mag sich mancher fragen. Und in der Tat ist uns vieles fremd: Symbole haben andere Bedeutungen, das Verständnis von Literatur hat sich verändert, die Handlungs- und Sichtweisen der Figuren erscheinen eigenartig, einfältig oder lächerlich.

Doch all diese Veränderungen spiegeln nur eine andere Sichtweise auf Probleme, die uns auch heute noch umtreiben. Die aktive Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Stoffen kann also neue Perspektiven eröffnen und ungedachte Wege aufzeigen. Indem beispielsweise der Tristan oder der Parzival auf der Bühne lebendig und greifbar werden, ermöglichen sie Schauspielern und Publikum den Eintritt in eine andere, uns jedoch nicht gänzlich fremde Welt.