Blödeln in neuer Dimension. Sigune lacht nur noch und heult nicht – naja, sie hat je eh nen Schleier … und in Szene 10 darf sie lateinisch beten und muss nicht heulen … Die Szenen 3, 7 und 10 werden gespielt und es werden bereits Details besprochen: Wie ist der Ring gut sichtbar, was ist mit dem Schwert, das Sigune sieht. Die Requisiten noch improvisiert – Sigune zeigte sich von dem grünen Kuli (= das Schwert) eher unbeeindruckt. Irgendwie versteh ich sie. Parzivals Kommentare a la „Willst Du mein Schwert sehen?“ machen die Sache nur bedingt besser …

Aber der Ulk ist gruppenpsychologisch wertvoll: Zum ersten Mal sind Darsteller nicht erschienen. Auch Szene 5 sollte geprobt werden, fiel aber flach. Zunächst ratlos-gedrückte Stimmung. Der Darsteller nicht zu erreichen, die Zeit knapp. Wer könnte den Gurnemanz übernehmen?

Dann der Entschluss: Die Szene wird umgeschrieben – Gurnemanz verschwindet und aus seiner Tochter wird eine erfahrene Königin, die Parzival in den ritterlichen Tugenden unterweist – oder so ähnlich. Komplett neue Szene und auch der Liazes Charakter ändert sich nicht unerheblich – das Wochenende ist hin.

Doch auch Freudiges gibt es zu berichten: Obwohl Sebastian (= Morold aus dem Tristan-Stück) nicht selber Mitspielen kann, will er den roten Ritter und Parzival im Schwertkampf trainieren … - denn ja, wir haben jetzt einen roten Ritter – die Connie. Hier ihre Mail, die sie zum roten Ritter machte:


„Hallo Sylvia,

du hast doch am Montag gesagt, dass wir noch einen roten Ritter brauchen. Da ich so langsam richtig gefallen an der Rolle des bösen Ritters finde, würde ich mich, in der Hoffnung auf wenig Text, auch für den roten Ritter bereiterklären, wenn sich sonst keiner findet. Ich kann zwar keinen Schwertkampf, aber ich kanns ja noch lernen. (non scholae, sed vitae discimus!)

Was sagst du dazu?

LG, Conni“


So schnell geht das! Auch diese Szene muss am Wochenende geschrieben werden – ja, ne?! Ein bisschen durchgesprochen haben wir die schon – und dann vertraue ich auf Sebastian, das hat im letzten Jahr auch toll geklappt.

Und wie immer zum Ende: Aus den Probenmitschriften:

Beim Blödeln über die Szene mit dem roten Ritter „Olli, der rosa Ritter, wird überall epiliert. Ronny kennt das offensichtlich, den können wir dann um Rat fragen.“

„Nach dem Sieg über den roten Ritter tanzt Parzival einen Cancan und unter seinem roten Kostüm ist ein Rüschentütü mit rosa Glitzer und Plateauschuhe. Er hat einen Puschel am Hintern, eine Federboa, Hasenohren, ein Korsett, künstliche Wimpern in rosa – das muss Sylvie noch nähen. Und er tanzt vor einem Spiegel“ Wer Laut unseren Plänen in der ersten Reihe sitzen muss und in die Vorführung mit einbezogen wird, verschweige ich an dieser Stelle lieber.

Idee einer Schaukel aufkam, auf der Parzival zuerst in die Höhe und dann über dem Publikum entlang schwebt, streikten die Bühnenbauer, vertreten durch Anne – irgendwie verständlicherweise. Allerdings war folgende Idee geboren: „Nächstes Jahr: Travestieshow auf Mittelhochdeutsch – vorzugsweise das Nibelungenlied.“

Über einen skurrilen Namen (Brisljan) in Parzivals Text: „Das tschechische Bier in Parzivals Text in Szene 7 durch was anderes ersetzen.“ Der Vorschlag, einfach Staropramen einzufügen, half nicht weiter …

Über den Kleidertausch in Szene 4: „Der tote (rote) Ritter wird dann von den Sargträgern von der Bühne getragen, damit keiner sieht, dass der noch was an hat.“