Der „Parzival“ gilt heute als Wolframs berühmtestes Werk, häufig stuft man es als das wichtigste Epos dieser Zeit überhaupt ein. Es ist das erste in deutscher Sprache erhaltene Werk, dessen Motiv der heilige Gral bildet. Es besticht durch viel Erzähllust und Humor, einfallsreich gestaltete Sprachbilder und Sprache und durch die Fülle des Erzählten Geschildert wird die Geschichte zweier Helden: Einerseits Parzivals Leben von seiner Kindheit über die Zeit als Artusritter bis zum Gralskönigtum, andererseits Gawans Geschichte, die das Gefüge des Artuskreises nicht übersteigt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Wolfram bei der Abfassung des „Parzival“ das Werk „Perceval“ von Chrétien de Troyes benutzt hat, sein Werk ist eine (teilweise) sehr freie Bearbeitung des „Perceval“. Chrétiens Werk ist allerdings Fragment geblieben, es bricht in der Gawan-Handlung ab.

Für das Ende von Wolframs Werk (also das Ende der Gawan-Handlung, Parzivals orientalischen Bruder und seine Berufung zum Gralskönig) und auch für den Beginn (die Geschichte der Eltern Parzivals) ist keine Quelle nachweisbar, so dass allgemein Wolfram als direkter Urheber dieser Teile angesehen wird.

Wolfram schreibt im „Parzival“ jedoch, dass er Chrétiens Darstellung - die er offenbar kannte - für falsch halte und behauptet, dass er eine andere Quelle benutzt habe, einen provenzalischen Dichter namens Kyot. Über Kyot ist allerdings sonst nichts bekannt. In der Rezeptionsgeschichte des 20. Jahrhunderts hat sich die Auffassung weitestgehend durchgesetzt, dass diese Quelle und deren Autor niemals existiert haben, sondern sie eine Fiktion Wolframs sind.

Daneben existiert eine Tradition, welche im „Parzival“ die getreue Wiedergabe einer mündlichen überlieferten Historie erblickt. Herbert Kolb, Professor für Germanistik in Düsseldorf, hält Wolframs Gewährsmann Kyot für wirklich, und Werner Greub geht in der Historisierung des „Parzival“ so weit, dass die wichtigsten Schauplätze der ihm zufolge im 9. Jahrhundert sich abspielenden Gralssuche lokalisierbar werden.

Der „Parzival“ ist die einzige Reimpaar-Dichtung, die noch nach 1470 im Buchdruck mehrere Auflagen erlebte. Der Stoff des „Parzival“ bot Richard Wagner die Hauptquelle für die Schaffung des Librettos seiner Oper Parsifal. Wolfram selbst tritt als Figur in der Wagneroper Tannhäuser auf.